GOTS Siegel (Global Organic Textile Standard) – Zertifizierung und wie gaia es verwendet

Überblick – Worum es geht

Weißes T-Shirt auf grünem Hintergrund – so sieht das GOTS Siegel aus. Die Abkürzung GOTS steht für Global Organic Textile Standard. Du findest es beim Kauf von Textilien, zum Beispiel bei Pullovern, T-Shirts oder deiner neuen Lieblingsjeans.

Weil wir Baumwolltücher mit Wachs bestreichen, spielt das GOTS Siegel auch bei Gaia eine Rolle. Was das GOTS Siegel bedeutet, wie es sich zusammensetzt, wie ein Unternehmen eine GOTS Zertifizierung bekommt und wie es bei unseren Bienenwachstüchern auftaucht, erfährst du im folgenden Text.

Was ist das GOTS Siegel?

Definition des Global Organic Textile Standard

Der Global Organic Textile Standard wurde 2008 zum ersten Mal formuliert. Seitdem entsteht durch das sogenannte Global Organic Textile Standard ein Siegel, kurz GOTS Siegel genannt. Wenn du Klamotten mit einem GOTS Siegel in der Hand hältst, kannst du davon ausgehen, dass mindestens 70 Prozent der Produkte aus kontrolliert biologisch erzeugten Fasern bestehen.

Grundsätzlich siehst du das GOTS Siegel beim Kauf von Textilien. Es kennzeichnet einen weltweiten Standard ,der folgenden Schritte einer Produktionskette berücksichtigt:

  • Verarbeitung
  • Konfektion bzw. die serienmäßige Herstellung von Kleidung
  • Verpackung
  • Kennzeichnung
  • Handel und Vertrieb

Die aktuelle Version 5.0 des Global Organic Textile Standard stammt vom März 2017.

Wie erkenne ich das GOTS Siegel?

Du erkennst das GOTS Siegel an einem Kreis, in dem ein weißes T-Shirt auf grünem Grund zu sehen ist. Wichtig: Um den Kreis herum steht in schwarzen Buchstaben: Global Organic Textile Standard – GOTS.

Um wirklich sicherzugehen, kannst du auch auf die Lizenznummer des jeweiligen GOTS Siegels achten oder auf der Webseite checken, ob das Unternehmen wirklich ein GOTS Zertifikat hat.

Wer steckt hinter dem GOTS Siegel

Hinter dem GOTS Siegel steckt die International Working Group on Global Organic Textile Standard (IWG). Sie setzt sich aus vier unterschiedlichen Organisationen zusammen und gründete 2008 die heutige Global Standard gGmbH. Diese gGmbH ist für das GOTS Siegel verantwortlich, bringt regelmäßig Versionen des Global Organic Textile Standard raus und kümmert sich um die Zertifizierung.

Diese vier Organisationen sind an der IWG beteiligt:

  • Internationaler Verband der Naturtextilwirtschaft (IVN), Deutschland – wurde 1999 gegründet und steht für ökologisch hergestellte Produkte aus Textil und Leder.
  • Soil Association (SA), England – 1946 in der UK gegründet steht die SA für nachhaltige und ökologische Landwirtschaft und Produktherstellung.
  • Organic Trade Association (OTA), USA – seit 1985 steht die OTA für ökologisch hergestellte Produkte aus den USA. Sie setzt sich aus verschiedenen Unternehmen zusammen.
  • Japan Organic Cotton Association (JOCA), Japan – die Association wurde 2000 gegründet und setzt sich seitdem für ökologisch sinnvoll produzierte Textilien ein.

Kennzeichnungen des GOTS Siegels

Innerhalb des GOTS Siegels gibt es zwei Abstufungen zwischen den Produkten. Sie entstehen durch den Mindestanteil an unterschiedlichen Fasern. Wichtig: Die Fasern müssen alle aus biologischer Landwirtschaft stammen. Unterschieden wird zwischen folgenden Bezeichnungen:

  • Hergestellt aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA) oder aus kontrolliert biologischer Tierhaltung (kbT). Das bedeutet, dass 95 Prozent der Fasern unter diesen Bedingungen hergestellt wurden. Manchmal gibt es auch die Bezeichnung von kbA/kbT in Umstellung. Das bedeutet, dass die Betriebe gerade auf kontrollierte biologische Landwirtschaft umstellen.
  • Hergestellt aus x % kbA/kbT-Fasern oder x % aus kba/kbT-Fasern in Umstellung. Hier ist wichtig, dass mindestens 70 Prozent der Fasern aus kontrolliert ökologischer Landwirtschaft stammen. Alles darunter bekommt kein Siegel.

Zielsetzung des GOTS-Siegels

Das GOTS Siegel will einen Standard schaffen – von Anfang bis Ende. Für dich als Verbraucher und Verbraucherin soll ein glaubwürdiges Siegel entstehen. Wenn du Klamotten oder andere Textilien in die Hand nimmst, sollst du erkennen: Hier handelt es sich um ein Produkt, das zu einem Großteil unter ökologisch und sozial guten Bedingungen produziert und gehandelt wurde. Denn die ganze Produktions- und Lieferungskette des GOTS zertifizierten Pullis, T-Shirts etc. ist sozial verantwortlich und umweltverträglich.

Die GOTS-Zertifizierung – Überblick

Zuerst: Ein Produkt bekommt nur eine GOTS Siegel, wenn es mindestens zu 70 Prozent aus kontrolliert biologischen Naturfasern besteht. Weniger als 70 Prozent – kein GOTS Siegel.

Es gibt mehrere Anforderungen, die ein Unternehmen erfüllen muss, um ein GOTS Zertifikat zu bekommen. Sie teilen sich in die Kriterien, soziale Mindestanforderungen und ein Qualitätssicherungssystem auf. Dabei wird Herstellung, Konfektion (ist gleich die serienmäßige Herstellung von Kleidung), Verpackung, Kennzeichnung, Handel und Vertrieb der Textilien beachtet. Zertifiziert werden Garne, Stoffe, Bekleidung, Heimtextilien und sonstige Produkte aus textilen Fasern. Leder- und Fellprodukte bekommen kein GOTS Siegel.

Für dich noch mal im Überblick. Im März 2017 veröffentlichte die Global Standard gGmbH die Version 5.0, in der folgende Anforderungen formuliert sind:

Die Kriterien des GOTS Zertifikats

  • Anforderungen an die Erzeugung ökologischer Fasern
    Nur Naturfasern, die aus kontrolliert biologischem Anbau stammen sind zugelassen.
  • Anforderung an die Zusammensetzung des Fasermaterials
    Mindestens 70% des Fasermaterials muss aus kontrolliert biologischer Landwirtschaft bestehen. Die Prozentangaben beziehen sich auf das Gewicht des Faseranteils im Normalzustand. Es dürfen keine Fasern von Projekten enthalten sein, die schon mal gegen Bestimmungen oder Arbeitsnormen verstoßen haben.
  • Allgemeine Anforderungen an chemische Zusatzstoffe in allen Verarbeitungsstufen
    Hier sind Zusatzstoffen aufgelistet, die verboten sind, weil sie der Umwelt schaden oder giftig für den Menschen sind.
  • Besondere Anforderungen und Prüfparameter
    Hier werden unterschiedliche Schritte beachtet und Vorschriften formuliert, die bei einer Textilherstellung stattfinden. Es geht zum Beispiel um die sogenannte Vliesherstellung, das richtige Bedrucken von Textilien, ein Umweltmanagement des Betriebs, die richtige Abwasseraufbereitung, interne Qualitätskontrolle und mehr.

Die sozialen Mindestanforderungen des GOTS Zertifikats

Die sozialen Mindestanforderungen definieren sich durch folgende Punkte und beinhalten die Kernnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO):

  • Der Geltungsbereich umfasst alle Stufen der Textilverarbeitung, der Konfektion und des Textilhandels.
  • Die Beschäftigung in einem Betrieb muss freiwillig erfolgen. Es ist nicht erlaubt Kaution oder die Abgabe von Ausweispapieren zu fordern.
  • Es besteht eine Vereinigungsfreiheit und Recht auf Tarifverhandlungen.
  • Es gibt Verbot von Kinderarbeit. Es dürfen keine Kinder neu eingestellt werden. Wurde Kinderarbeit verrichtet, müssen die Firmen Richtlinien und Programme entwickeln, um die Kinder zu fördern. Kinder oder Jugendliche unter 18 Jahren dürfen nicht nachts oder unter gefährlichen Bedingungen arbeiten.
  • Es erfolgt keine Diskriminierung oder Belästigung in jeglicher Form.
  • Sichere und hygienische Arbeitsbedingungen müssen gewährleistet sein. Und zwar nach aktuellem Stand der Technik und der Kenntnisse aller spezifischen Gefahren. Geeignete Schutzausrüstung muss vorhanden sein. Unternehmen müssen geeignete medizinische Unterstützung bereitstellen. Der Arbeitnehmer und die Arbeitnehmerin müssen die Räumlichkeiten bei drohender Gefahr verlassen können und ohne um Erlaubnis bitten zu müssen.
  • Eine gerechte Entlohnung definiert sich nach den gesetzlichen Standards eines Landes.
  • Es gibt keine überlangen Arbeitszeiten. Die Arbeitszeit entspricht den Gesetzen eines Landes. In keinem Fall dürfen die Beschäftigten mehr als 48 Stunden pro Woche arbeiten, haben das Recht auf Pausen an jedem Arbeitstag und erhalten mindestens einen freien Tag pro Woche. Überstunden müssen freiwillig sein und dürfen nicht mehr als 12 Stunden pro Woche betragen.
  • Es darf keine prekäre Beschäftigung stattfinden. Die Arbeitsverhältnisse werden auf der Grundlage von den Gesetzen eines Landes durchgeführt.
  • Jegliche grobe und inhumane Behandlung ist nicht erlaubt. Das beinhaltet natürlich auch körperliche und sexuelle Misshandlung und Belästigung.
  • Es gibt ein sozialverantwortliches Management, dass eine Erklärung zu sozial verantwortlichem Handeln führt und darauf achtet, dass die Sozialkriterien eingehalten werden.
  • Eine ethische Geschäftspraxis ist vorhanden. Das heißt: Die Unternehmen sind nicht in Korruptions-, Erpressung- oder Veruntreuungsfälle verwickelt.

Das Qualitätssicherungssystem des GOTS Zertifikats

Das Qualitätssicherungssystem behandelt zwei Bereiche:

  1. Auditierung von Verarbeitungs-, Konfektions- und Handelsstufen.
    Das bedeutet, dass Hersteller und Herstellerinnen von GOTS Waren an dem jeweiligen GOTS Zertifizierungsverfahren teilnehmen müssen. Jährlich findet eine Inspektion statt und der Betrieb muss ein gültiges Betriebszertifikat vorweisen können, aus dem die zertifizierte Ware hervorgeht.
  2. Rückstandanalysen und Prüfung der technischen Qualitätsparameter
    Betriebe, die ein GOTS Siegel haben, müssen Rückstandtests durchführen. Das soll die Einhaltung der Standards, die in den Kriterien bzw. im Punkt Anforderung und Prüfungsparameter (siehe oben) formuliert wurden. Bei einer Inspektion kann ein entsprechender Test ebenfalls durchgeführt werden.

Wenn du noch mehr wissen willst: Hier kannst du dir die aktuelle Version als PDF runterladen.

Wie entsteht eine GOTS Zertifizierung?

Will sich ein Betrieb mit dem GOTS zertifizieren lassen, muss er sich an eine der zugelassenen Zertifizierungsstellen wenden. Diese Stellen sind mit dem Qualitätssicherungssystem (siehe oben) vertraut. Wichtig: Das Ganze kostet Geld. In der Regel erstellen die Betriebe einen Kostenvoranschlag für die Zertifizierung.

Wer sogenannter Zertifizierer  oder Zertifiziererin werden möchte, muss von der Global Standard gGmbH zugelassen sein. Diese unterscheidet zwischen drei Anwendungsbereichen, in denen man zertifizieren kann:

  1. Zertifizierung von mechanischen Textilverarbeitungs- und Konfektionsbetrieben sowie ihrer Produkte
  2. Zertifizierung von Nassveredlern und Ausrüstern sowie ihrer Produkte.
  3. Zertifizierung von Handelsunternehmen und ihrer Produkte.

Alles GOTS Zertifizierer dürfen weltweit Inspektionen- und Zertifizierungen durchführen. Ein Unternehmen oder ein Betrieb darf außerdem frei wählen, an welcher Stelle es sich zertifizieren lässt. Die Zertifizierungsstelle braucht eine Genehmigung der Global Standard gGmbH.

GOTS Inspektionen und Kontrollen

Möchte ein Unternehmen ein GOTS Zertifikat bekommen, muss es zuerst eine Inspektion zulassen. Dabei muss es die Kriterien, sozialen Mindestanforderungen und das Qualitätssicherungssystem erfüllen können. Die Inspektion umfasst folgende Bereiche:

  • Einsicht in die Buchführung
  • Beurteilung der Systeme in den Betriebsbereichen und Identifizierung der Risikobereiche
  • Prüfung der verwendeten Textilhilfsmittel, zum Beispiel von Farbstoffen.
  • Inspektion und der Beurteilung der Abwasserkläranlage bei Nassveredlungsbetrieben
  • Überprüfung der sozialen Mindestanforderungen
  • Überprüfung eines risikoorientierten Prüfplans. Dieser soll in der Regel folgende Frage beantworten: „Können in Zukunft Rückstände unzulässiger Substanzen in der Ware auftauchen und wie wird das vermieden?“

Kontrollen bei Unternehmen, die ein GOTS Siegel führen, fallen grundsätzlich einmal jährlich an. Sie sind meistens angemeldet, können aber auch ohne Anmeldung stattfinden.

Kritik an GOTS Siegeln

Auch wenn das GOTS Siegel viele Bereiche der Produktions- und Lieferungskette umfasst, hat es Schwachstellen. Die zeigen sich in den Kennzeichnungen.

Es gibt Produkte, die zu maximal 95 Prozent oder minimal 70 Prozent kontrolliert biologischer Landwirtschaft stammen. Ein Großteil ist damit abgedeckt, es bleiben allerdings immer noch wichtige Prozentanteile offen. Egal ob es nur 5 Prozent (bei 95 Prozent) oder eben 30 Prozent (bei 70 Prozent) sind.

Fazit: Das GOTS Siegel zertifiziert einen Großteil des Produktes, das ist gut. Aber leider nicht zu 100 Prozent. Wir bei Gaia glauben trotzdem, dass das GOTS Siegel einen sehr guten Standard setzt. Deswegen achten wir auch darauf, dass es bei der Produktion unserer Baumwolltücher vorkommt.

Gaia und GOTS Siegel

Gaia selber besitzt (noch) kein GOTS Siegel. Warum? Dafür ist ein kurzer Blick auf die Entstehung unserer Baumwolltücher nötig:

Ihre Wurzeln hat unsere Baumwolle in einem kleinen Land südöstlich von China. Sie wächst in Kirgisistan auf, südöstlich von China. Natürlich in kontrolliert biologischer Landwirtschaft innerhalb eines Fairtrade Projekts. Dort wird sie auch gepflückt.

Wenn sie flügge geworden ist, geht es nach Tschechien. Hier wird sie verwebt und es entstehen schöne, runde Stoffballen. Die landen dann bei uns in Hamburg und wir machen Bienenwachstücher aus ihnen.

Alle Stopps der Baumwolle sind GOTS zertifiziert. Unsere Baumwolle ist in kontrolliert biologischem Anbau hergestellt – zu 100 Prozent. 95 Prozent davon deckt das GOTS Siegel ab. Die Naturfasern stammen aber alle aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA – siehe Kennzeichnungen des GOTS Siegels oben).

Gaia selbst besitzt noch kein GOTS Zertifikat. Der Grund: Uns war es erst mal wichtig, dir ein Baumwolltuch zu bieten, dass aus einem GOTS zertifiziertem Betrieb kommt. So konnten wir schon mal mit GOTS Baumwolltüchern arbeiten und ein Bienenwachstuch handmade in Hamburg mit den besten Zutaten produzieren. Außerdem kostet ein GOTS Zertifikat Geld, dass wir (weil alle klein anfangen) nicht hatten.

Aber jetzt wir sind dran und in Kontakt mit einer Zertifizierungsstelle. Fun Fact: Wir als Bienenwachstuch-Produzent fallen unter den (wir finden sehr langen, aber schönen) Ausdruck des Lebensmittelbedarfsgegenstands.

Drück uns die Daumen. Wir halten dich auf dem Laufenden und stoßen mit einem Bio-Pils an, wenn es so weit ist.

Bis dahin: Bei Fragen immer gerne fragen und Tschüss Plastik!

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