Porträt von Dannie Quilitzsch

“Du bist total super, wie du jetzt schon bist” – ein Interview mit Dannie von War Child

Manchmal braucht es Vorbilder, an denen wir uns orientieren können. Auch in Sachen Nachhaltigkeit.

Um sie soll es in der Reihe von THE FUTURE IS EQUAL gehen. Wir sprechen mit Gründerinnen und Gründern über ihr berufliches Leben, Herausforderungen und Nachhaltigkeit und wollen dich damit empowern und inspirieren.

Warum? Weil wir bei gaia glauben, dass jeder Mensch die Welt verändern kann. Und wenn wir sehen, wie andere sie verändern, können wir uns vielleicht was abgucken, es genauso oder ganz anders machen. Hauptsache wir lernen voneinander und gehen gemeinsame Schritte in Richtung nachhaltiges Leben.

Dieses Mal geht es um Dannie Quilitzsch. Sie arbeitet als Beraterin, Therapeutin, Geschäftsführerin von War Child Deutschland, sitzt ehrenamtlich im Aufsichtsrat von Viva con Aqua und bietet online ihr Coaching-Programm LOVE YOURSELF MORE an. Ganz nebenbei ist sie auch noch Yoga- und Meditationslehrerin.

Mitten in der Coronakrise erzählt sie gaia, wie sie mit dem ganzen Workload umgeht, warum sich viele Menschen selbst nicht lieben und wie sie den Stress in ihrem Leben besiegt.

gaia: Dannie, du bist Geschäftsführerin, Beraterin, Therapeutin, Mitglied im Aufsichtsrat von Viva con Aqua und hast ein eigenes Coaching-Programm. Was machst du, wenn dir das alles mal zu viel wird?

Dannie: Erstmal geht bei mir im Körper eine Ampel an. Ich werde super müde und kann mich nicht gut konzentrieren. Oft kriege ich auch Halsschmerzen. Die ersten zehn Tage des Lockdowns wegen des Coronavirus waren zum Beispiel für mich extrem herausfordernd. Bei allen Kunden und Kundinnen war gleichzeitig die Frage: Was machen wir jetzt?

In diesem Fall habe ich dann an einem Wochenende gesagt: Ich muss jetzt raus. Rechner aus, Handy aus und ab in die Natur.

gaia: Ein Wochenende reicht dir dann aus, um wieder runterzukommen?

Dannie: Ja. Aber ich lebe aber auch insgesamt ein sehr ruhiges Leben. Von sieben Abenden bin ich mindestens fünf zu Hause. Ich trinke seit Jahren keinen Alkohol mehr, esse gesund, meditiere viel und gehe spazieren. Ab und zu mache ich Yoga, aber auch nicht zu viel. Ich suche mir immer ganz bewusst einen Ausgleich, sodass meine Kraft in Balance ist.

“Es ist natürlich schöner, nur soziale Projekte zu machen.”

gaia: Wie viele Stunden in der Woche arbeitest du im Durchschnitt?

Dannie: Alles zusammen arbeite ich in der Woche so 50 Stunden. Mit Feiern am Wochenende oder vier Mal in der Woche abends Essen gehen, würde ich das nicht packen. Und mit Kindern wahrscheinlich auch nicht. Dafür sind meine Projekte so was wie meine Babys. Mit denen beschäftige ich mich so, wie andere sich wahrscheinlich mit ihren Kindern. Also sowohl zeitlich als auch kräfte- und inhaltsmäßig.

gaia: Kannst du gut von deiner Arbeit leben?

Dannie: Mittlerweile habe ich auch da eine ganz gute Balance. Mit zwei Workshops als Coach verdiene ich genauso viel Geld, wie mit dem Monatsgehalt bei War Child. Es ist natürlich schöner, nur soziale Projekte zu machen. Aber während meiner ehrenamtlichen Tätigkeit habe ich irgendwann realisiert: Warte mal ganz kurz. Ich will ja auch von was leben. Ich glaube, jeder muss sich da die Frage stellen: Was tut mir gut? Was brauche ich zum glücklich sein und was macht mir Freude? Ich bin total stolz darauf, dass ich genau das beantworten kann. Ich stehe jeden Tag auf, gucke in den Spiegel und kann sagen: Alle Themen, mit denen ich mich beschäftige, alle Kunden, die mir Geld geben – das sind Dinge, zu den ich hundert Prozent stehe. Das macht mir Freude und ich leiste einen Beitrag für eine Welt, wie ich sie gerne hätte.

gaia: Steckt diese Freude auch in deinem Coaching-Programm LOVE YOURSELF MORE?

Dannie: Absolut. In dem Programm steckt unheimlich viel von meiner eigenen Reise und was ich in den letzten zehn Jahren erlebt habe. Es geht darum, dass wir uns annehmen, so wie wir sind. Viele Coaching-Programme sagen oft: Wenn du so bist, bist du super. Was ich aber eigentlich sagen will: Du bist total super, wie du jetzt schon bist. Außerdem will LOVE YOURSELF MORE vermitteln: Du hast die Kompetenz dein Leben so zu ändern, wie du es haben willst. Hier findest du vielleicht Inspiration oder Hilfestellung dazu. 

gaia: Was ist der häufigste Grund, warum Menschen sich selber nicht mehr lieben?

Dannie: Weil sie nach außen gucken und sich vergleichen. Weil sie denken: Die ist super erfolgreich, der wirkt immer so happy – das will ich auch. Dabei vergessen sie bei sich selbst zu forschen und nachzufragen: Was macht mich glücklich? Was ist das, was mich ausmacht? Worin bin ich ein Experte oder eine Expertin?

“Erstmal ist es immer richtig seinem Bauchgefühl zu folgen.”

gaia: Gehören dazu auch Fehler?

Dannie: Fehler zu machen ist extrem wichtig. Wir können ja gar nicht aus unserer Komfortzone raus, ohne das Risiko einzugehen und zu merken: Das tut weh. Nur durch diese Fehler lernen wir ja tatsächlich.

gaia: Was würdest du Leuten raten, die überlegen, sich mit ihrer Idee selbstständig zu machen?

Dannie: Erstmal ist es immer richtig seinem Bauchgefühl zu folgen. Wenn Du eine Idee hast und an sie glaubst, ist es das wichtigste, auch den Mut zu haben, einfach los zu legen. Alles entsteht beim Machen, nichts wird im Kopf entwickelt und ist dann erfolgreich. Wir lernen durch die Erfahrungen. Einfacher ist es natürlich, wenn wir schon einen gewissen Erfahrungsschatz mitbringen. Ich habe zum Beispiel erst in Agenturen im Bereich Kommunikation, Kundenberatung und Strategie gearbeitet, bevor ich mich später mit eigenen Projekten selbständig gemacht habe. Mein Erfahrungsschatz von damals hat mir dabei sehr geholfen. Außerdem braucht man Zeit, das Ding richtig gut vorzubereiten. Eine gute Vorbereitung ist mehr als die halbe Miete. Und ich empfehle immer: Versuche am Anfang parallel noch weiter eine Beschäftigung zu haben, die dir deine Fixkosten deckt. Eine der größten Gefahren ist, dass die Leute ihren Job kündigen und sagen: In einem halben Jahr habe ich das entwickelt und dann verdiene ich damit Geld. Oft merken sie aber, dass sie dann noch mal ein halbes Jahr brauchen. Viele Ideen gehen an diesem Punkt leider kaputt.

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