Marina sitzt am Schreibtisch und schaut hoch zu einem Kameramann.

“Sorg dafür, dass Menschen sich an dich erinnern” – ein Interview mit Marina Hoermanseder

Wir treffen Marina und ihr Team schon im Hof vor ihrem Atelier. Und obwohl sie gerade ein langes Meeting hatte, empfängt sie uns lachend und mit offenen Armen. Mit ihrem Charme, ihrer natürlichen Art und viel Humor hat uns die Berliner Designerin direkt in ihren Bann gezogen. Schockverliebt. Wir besuchen Marina, weil wir mit ihr ein paar Bilder für unsere gemeinsame Edition shooten wollen. Denn die Modedesignerin entwirft nicht nur Einzelstücke für Lady Gaga, J Lo, Nicki Minaj oder Taylor Swift, sondern auch für uns. Unter dem Motto „Gemeinsam gegen Plastik” designte sie die Marina Hoermanseder x gaia Edition. 

Und wenn wir schon mal jemand so interessanten wie Marina treffen, wollten wir die Gelegenheit nutzen: passend zu unserer Reihe THE FUTURE IS EQUAL hat Karla mit ihr über Selbstständigkeit, Familienplanung und Nachhaltigkeit gesprochen.

gaia: Du hast gemeinsam mit Invisibobble eine Aktion gemacht, bei der ihr alte Reststoffe aus eurer Produktion upgecycelt und zu Haargummis weiterverarbeitet habt. Außerdem setzt du dich gegen Plastikmüll ein und wir launchen gemeinsam die gaia x Marina Hoermanseder Bienenwachstuch Edition für weniger Plastik im Haushalt. Kannst du dich an den Moment erinnern, bei dem du das Gefühl hattest, dass du etwas verändern und dich für mehr Bewusstsein engagieren willst?

Marina: Letztes Jahr im September, als ich eure Wachstücher kennenlernte, habe ich aus einer Laune heraus gedacht: Ich mach jetzt einen Selbstversuch. Ich mach jetzt Marina’s Sustainable September. Also kein Plastik, kein Palmöl, keine Avocados und vegan. Den ganzen Monat habe ich verschiedene nachhaltige Dinge getestet und wahnsinnig viel selbst gemacht – zum Beispiel Shampoo oder Seifen. Und je mehr ich mich mit dem Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit beschäftigt habe, desto mehr ist mir bewusst geworden, was alles schiefläuft und dass es für uns echt kritisch wird, wenn wir nicht alle ein bisschen aufpassen. Deshalb war es mir wichtig, meine öffentliche Stimme zu nutzen und mich mit meinem Label für mehr Nachhaltigkeit einzusetzen. Aber nicht so strikt wie ich im September 2019.

gaia: Sondern?

Marina: Wer zu streng mit sich selbst ist, nimmt sich auf Dauer den Spaß am Leben. Wir brauchen alle unsere guilty pleasures um mal durchzuatmen. Vielmehr geht es darum, dass wir alle einen Beitrag leisten und kleine Dinge verändern. Das mache ich jetzt zu Hause und auch in der Firma. Bei der Fashion Week hatten wir einen veganen Make-up Sponsor und die Goodie Bags waren aus upgecycelten Materialien. Es gab Glasstrohhalme und alle möglichen nachhaltigen Goodies als Alternative zu Plastik. Und wir haben einen Ananaslederrock in der Kollektion, bei dem das vegane Leder aus Ananasblättern, also einem Abfallprodukt, gefertigt wurde. Präsentiert wurde der Rock bei der AW20 | 21 Show mit einem Schild „my skirt is made out of pineapple“, um zu zeigen, dass Nachhaltigkeit auch cool und salonfähig sein kann.

gaia: Du hast gemeinsam mit den Labels Drykorn, Armed Angels und Muschi Kreuzberg bei der Kampagne “Verantwortung tragen” mitgemacht, mit der ihr Sea- Watch unterstützt habt. Der Slogan deiner Kollektion war “my friend came over the ocean”.Würdest du dir wünschen, dass sich noch mehr große Unternehmen engagieren und ihren Einfluss für mehr Nachhaltigkeit nutzen? 

Marina: Ja, das wünscht man sich ja immer und ich habe auch den Eindruck, dass viele Labels und große Unternehmen anfangen, aktiv zu werden. Leider ist da oft dieser Fingerzeig auf die Sachen, die dann noch nicht laufen, anstatt die positiven Sachen zu betonen. Denn immerhin tut sich da was. Aber ich finde natürlich, dass Unternehmen sowohl ökologisch als auch politisch ihre öffentliche Stimme nutzen sollten.

“Fang an zu netzwerken und sei nicht zu schüchtern”

gaia: Du hast international Business und Modedesign studiert und 2013 dein eigenes Modelabel gegründet. Hattest du es anfangs schwerer, dich als Gründerin durchzusetzen oder ernstgenommen zu werden?

Marina: Erst einmal freut es mich, von dir als Gründerin bezeichnet zu werden. Das passiert selten. Für viele bin ich die Designerin. Aber es war für mich nie ein Hindernis, eine Frau zu sein. Es gab ja keine Investor*innen und ich habe alles alleine gemacht. Ich musste niemanden von meiner Idee überzeugen oder mich in diesem Kontext als Frau durchkämpfen. Alles, was ich brauchte waren gute Freunde und mir sehr wohlgesonnene Kontakte, die mir geholfen haben. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass ich als Feministin weiß was ich will, mein Ding durchziehe. Ich glaube aber auch, dass es in der künstlerischen Branche entspannter ist. Mit meiner Mode zeige ich ja Kunst und ich glaube, da entscheidet am Ende das Produkt und die Ästhetik auf dem Runway und nicht das Geschlecht des Künstlers oder der Künstlerin.

gaia: Das klingt alles sehr einfach. Aber aus eigener Erfahrung weiß ich, wie viel Arbeit in einer Selbstständigkeit steckt…

Marina: Ja, da hast du recht. Dass wir als Team mal eben Fashion Shows für 800 Leute auf die Beine stellen, parallel noch Kollektionen für die Mitarbeiter*innen von Austrian Airlines und die Österreichische Post entwerfen – alles von einem Team mit sieben Mitarbeiter*innen, das wird tatsächlich gar nicht so wahrgenommen. Dabei schaffen wir Arbeitsplätze und stellen viel mehr auf die Beine, als von außen wahrgenommen wird.

gaia: Hast du 3 Tipps für angehende Gründer*innen?

Marina: Erstens: Mach es, egal was alle anderen sagen. Hau rein und arbeite sauviel dafür. Zweitens: Nutze die Ökonomie der Aufmerksamkeit. Fang an zu netzwerken und sei nicht zu schüchtern. Sorg dafür, dass Menschen sich an dich erinnern. Wenn du jemanden kennengelernt hast, schreib am nächsten Tag direkt eine Mail, damit die Person sich an dich erinnert. Und drittens: Sei immer freundlich und höflich. Menschen stechen heraus, wenn sie sich anständig verhalten und sich bedanken für die Unterstützung und Möglichkeiten, die sich ihnen bieten. Es ist nicht verkehrt auch mal den Kopf zu neigen.

“Es wird anders werden, vielleicht sogar entspannter, weil ich nicht immer hinter jedem kleinen Detail her bin”

gaia: Bald bekommst du ein Kind. Hast du schon einen Plan, wie du künftig Kind und Unternehmen managen wirst?

Marina: Ich mache mir gar keine Gedanken, dass sich beides nicht gut verbinden lässt. Ich habe ja aus einer One-Woman-Show ein gut aufeinander abgestimmtes Unternehmen gegründet. Außerdem arbeite ich mit Menschen zusammen, die daran glauben, dass wir das Richtige machen. Mit diesem Team im Rücken mache ich mir überhaupt keine Sorgen. Tatsächlich hatte ich am meisten Respekt davor, eben diesem Team zu sagen, dass ich schwanger bin. Ich dachte, das Team denkt jetzt, ich sei nicht mehr 100 Prozent bei der Firma, alle ihren Job verlieren und alles den Bach runter geht. Das war aber gar nicht so. Alle waren entspannt und haben sich gefreut, dass wir jetzt ein neues Teammitglied bekommen. Das fand ich unglaublich schön und charmant. So wird dieser kleine Mensch hier sehr gut angenommen. Aber klar: Es wird anders werden, vielleicht sogar entspannter, weil ich nicht immer hinter jedem kleinen Detail her bin.

Marina Hoermanseder sitzt in ihrem Atelier an einem Tisch und guckt auf einen Laptop.
Marina in ihrem Atelier am Schreibtisch. Foto: gaia

gaia: Und habt ihr schon einen Plan, wie ihr das als kleine Familie machen wollt?

Marina: Wir werden das als moderne, kleine Familie lösen. Mein Freund nimmt auch Elternzeit und wir teilen uns die Aufgaben. Ich möchte da alte Muster aufbrechen und gleichzeitig kein Aufsehen erregen. Es soll nicht heißen: „Wow, Wahnsinn, wie macht der Mann das? Da hast du ja einen tollen Fang gemacht”. Ich finde: So ein gleichberechtigtes Verhalten sollte das Normalste der Welt sein. Mein einziger Plan ist also, dass wir das Alles modern, spontan, flexibel und mit Spaß lösen. Die Kleine wird unser Leben mit leben – so die Theorie. Ob das dann in der Praxis auch so funktioniert? Darüber können wir dann in drei Monaten noch mal reden.

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