Christina Wille von LOVECO vor ihrem Store in Schoeneberg/Berlin

“Ich glaube, dass wir generell mehr Frauen brauchen” – ein Interview mit Christina von LOVECO

Manchmal braucht es Vorbilder, an denen wir uns orientieren können. Auch in Sachen Nachhaltigkeit.

Um sie soll es in der Reihe von THE FUTURE IS EQUAL gehen. Wir sprechen mit Gründerinnen und Gründern über ihr berufliches Leben, Herausforderungen und Nachhaltigkeit und wollen dich damit empowern und inspirieren.

Warum? Weil wir bei gaia glauben, dass jeder Mensch die Welt verändern kann. Und wenn wir sehen, wie andere sie verändern, können wir uns vielleicht was abgucken, es genauso oder ganz anders machen. Hauptsache wir lernen voneinander und gehen gemeinsame Schritte in Richtung nachhaltiges Leben.

In diesem Beitrag geht es um Christina Wille. Sie gründete 2014 ihren eigenen Fair-Fashion-Store LOVECO in Berlin. Sechs Jahre später sind zwei weitere Stores dazugekommen und das Unternehmen wächst.

Am Weltfrauentag erzählt uns die 33-Jährige, wie sie mit Herausforderungen umgeht, warum Transparenz so wichtig ist, worauf sie stolz ist und was sie anderen bei ihrer Selbständigkeit rät.

gaia: Christina, du hast dich mit 28 selbständig gemacht, vorher zwei Jahre lang als Storeleiterin gearbeitet. Hattest du auch ein bisschen Angst vor dieser Entscheidung?

Christina: Ja auf jeden Fall, aber ich hatte keine schlaflosen Nächte. Durch die zwei Jahre wurde mir ein bisschen der Druck genommen. Ich wusste, was die Berlinerinnen und Berliner gut finden. Aber klar. Geld aufnehmen, was gründen, den Job kündigen – das sind Schritte, bei denen man sich schon denkt: Hoffentlich geht das gut.

“Generell frage ich mich immer: Was soll groß passieren?”

gaia: Das ist es ja auch. Mittlerweile gibt es drei LOVECO Stores.

Christina: Mit den Läden lief es von Anfang an super. Es war aufregend zu sehen, wie sehr sich die Leute für Fair Fashion interessieren. Dafür lief der Online-Shop gar nicht gut an. Da haben wir uns übernommen und die Arbeit unterschätzt. Mittlerweile gibt es aber ein tolles Team, das uns unterstützt.

gaia: Wie gehst du mit solchen Herausforderungen um?

Christina: Generell frage ich mich immer: Was soll groß passieren? Ich glaube, so ein Unternehmen kann eine Menge abfedern und oft passiert erst mal nichts. Klar, ich habe auch mal einen Kloß im Hals und mir rutscht auch mal das Herz in die Hose. Aber irgendwie findet sich doch immer eine Lösung. Nur wenn mir ein Laden abbrennen würde, dann hätte ich wirklich Probleme.

Das LOVECO Team
Das LOVECO Team. Foto: Vreni Jäckle

gaia: Euer Team besteht zu 90 Prozent aus Frauen. War das geplant?

Christina: Nein, überhaupt nicht. Es kommt jetzt auch ein weiterer Mann ins Team. Bis auf diese Ausnahme hatten wir nur Bewerbungen von Frauen. Aber das ist ja auch nicht schlecht für die Frauenquote. Ich glaube, dass wir generell mehr Frauen brauchen.

“Ihr könnt hinter die Kulissen gucken und wir haben da keine Geheimnisse.”

gaia: Mehr Frauen bei LOVECO oder wo genau?

Christina: In der Selbständigkeit. Die ist oft zu männlich konnotiert. Ich merke das oft, wenn die Leute nach dem Chef fragen und auf mich treffen. Die sind oft verwundert, dass das eine junge Frau ist. Da brauchen wir noch mal mehr Umdenken und mehr Toleranz. Dass es weniger selbständige Frauen gibt, hat aber auch biologische Gründe. Frauen können Kinder gebären, Männer eben nicht. Eine Selbständigkeit mit Kind oder währenddessen schwanger zu werden, stelle ich mir hart vor. Und es ist schon so ein krasser Schritt. Ich glaube viele Frauen hält das von der Selbständigkeit ab oder sie freunden sich deswegen nicht mit dem Gedanken an. Aber ich bin immer stolz, wenn jemand nach dem Chef fragt und ich dann sagen kann: Das bin ich.

gaia: Auf eurer Webseite erklärt ihr auch, wo ihr Probleme hattet oder was ihr an einem T-Shirt verdient. Warum stellt ihr euch so offen dar?

Christina: Ich glaube Transparenz ist der wichtigste Schlüssel, um sich im nachhaltigen Bereich von anderen abzusetzen. Du kannst mittlerweile zu jeder Klamottenkette in der Innenstadt gehen und jeder hat irgendwas gegen Mikroplastik oder eine Linie zum Thema Nachhaltigkeit. Um sich davon abzuheben, zeigen wir, welche Standards wir haben. Irgendwie müssen die Leute ja verstehen, dass es einen Unterschied gibt, zwischen der Jeans einer Kette, die nur zu 50% aus Bio-Baumwolle besteht und uns. Bei uns ist die Hose zu 100% aus Biobaumwolle und die komplette Textilkette verfolgt. Da werden alle fair bezahlt und es sind mehr als nur 50% Bio-Baumwolle drin. Wir wollen den Leuten einfach zeigen: Ihr könnt hinter die Kulissen gucken und wir haben da keine Geheimnisse.

Eine Stapel Jeans in einem LOVECO Store
“Bei uns ist die Hose 100% aus Bio-Baumwolle” Foto: Vreni Jäckle

gaia: Dann erzähl doch mal, wie viel du im Monat mit LOVECO verdienst.

Christina: Ich zahle mir nach Krankenkassenabzug 1.600 Euro netto aus. Wovon ich allerdings auch privat fürs Alter vorsorgen muss. Davon kann ich gut leben. Im ersten Jahr war es aber weniger und es hat sich gesteigert.

gaia: Wie viel war es am Anfang?

Christina: Da kamen 1.000 bis 1.200 Euro netto im Monat raus. Davon konnte ich auch ganz gut leben. Ich habe vorher ja auch nicht übermäßig verdient. Es ist jetzt nicht so, dass ich krasse Abstriche machen musste, nur weil ich mich selbständig gemacht habe.

“Andere in meinem Alter bauen ein Haus für 250.000 Euro.”

gaia: Was würdest du Leuten raten, die sich im nachhaltigen Bereich selbständig machen wollen?

Christina: Hab den Mut dazu! Wer die Lust nach einer Selbständigkeit verspürt, sollte das unbedingt machen. Gerade im Fair Fashion Bereich. Da gibt es echt noch viel Nachfrage. Es ist aber auch eine Typfrage. Es gibt Menschen, die sind happy mit ihrem Nine-to-five-Job und das ist total in Ordnung. Ich bin so nicht. Ich bin mit selbständigen Eltern aufgewachsen und habe gesehen, dass die selber entscheiden konnten, wie und wo sie arbeiten. Das spielt vermutlich schon mit rein, wenn man so einen Schritt geht. Außerdem dachte ich mir: Rund 75.000 Euro für meine Selbständigkeit aufzunehmen ist in Ordnung. Die kann ich im Zweifel verteilt über mein Leben abbezahlen. Andere in meinem Alter bauen ein Haus für 250.000 Euro. Meine Summe finde ich im Vergleich noch okay.

gaia: Passend zum Weltfrauentag: Was willst du uns allen noch mit auf den Weg geben?

Christina: Es macht keinen Unterschied welches Geschlecht du hast. Wenn du eine Idee hast, die die Welt verändern kann, dann beginne sie und kämpfe dafür, dass sie gesehen wird! In unserer privilegierten Gesellschaft haben wir als Frauen alle Möglichkeiten uns selbst zu empowern. Das haben viele andere Frauen auf der Welt (noch) nicht.

Titelfoto: Vreni Jäckle

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