Das Team von Bridge and Tunnel schaut in die Kamera.

Aus alt wird neu – 5 Fragen an Bridge&Tunnel

You never walk alone! Unsere Reihe SAME GOAL – SAME SOUL zeigt andere Unternehmen und Organisationen, die wir gut finden und mit denen wir zusammenarbeiten. Denn wir teilen das gleiche Ziel: Wir wollen die Welt ein Stück besser machen und uns gegenseitig unterstützen.

In diesem Beitrag geht es um Bridge&Tunnel. In ihrer Manufaktur hauchen sie altem Jeansstoff neues Leben ein und bieten gesellschaftlich benachteiligten Menschen die Möglichkeit bei ihnen zu arbeiten.

1. Was wollt ihr mit Bridge&Tunnel erreichen?

Unser Label Bridge&Tunnel steht für Design, das die Gesellschaft verändert. Alle unsere Designs produzieren wir aus Alttextilien und Materialüberschüssen. Und wir arbeiten mit Menschen zusammen, die gesellschaftlich benachteiligt sind – zum Beispiel weil sie aus ihrem Heimatland flüchten mussten.

So bekommt wertvolles Material neues Leben eingehaucht und viele tolle Menschen durch einen Job die Anerkennung, die sie verdient haben. Denn egal ob Mensch oder Material: Eine zweite Chance haben alle verdient.

2. Was treibt euch an und woher kommt die Motivation, die hinter Bridge&Tunnel steckt?

Als sich ein deutsch-türkischer Nähclub in unserem Co-Working Space vor einigen Jahren zum Nähen traf, wurde uns bewusst, wie wichtig Arbeit für Menschen ist. Und wie privilegiert es ist, sagen zu können, dass Arbeit nervt. Der Nähtreff fand Mittwoch vormittags statt, alle Näherinnen waren wahnsinnig talentiert, aber allesamt seit vielen Jahren arbeitslos.

Mit unserem Label greifen wir genau diesen Moment auf: Bei uns können Menschen arbeiten, die sonst nur schwer Arbeit finden, weil sie keine verbrieften Qualifikationen, dafür aber Talent zum Nähen vorweisen können.

Drei Menschen stehen an einem Tisch und messen Stoff ab.
In der Manufaktur sind alle willkommen – egal mit welchem Abschluss. Foto: Bridge&Tunnel

Denn wer arbeitet, fühlt sich gebraucht und wertgeschätzt.  Und dieses Gefühl geben die Näher*innen auch an ihr Umfeld weiter. Mit Bridge&Tunnel möchten wir die Menschen hinter der textilen Produktion sichtbar machen und zeigen, dass jede*r etwas kann – egal was sie oder er für ein Zeugnis hat. Das Gefühl, durch unser Label hier zu unterstützen, treibt uns jeden Tag an.

Hinzu kommt unser zweites Lieblingsthema: nachhaltige Mode. Wir waren irgendwann angewidert von dem Versprechen der Fast Fashion Industrie, dass permanent neue Styles dein Leben glücklicher und erfüllter machen sollen. Es braucht ein radikales Umdenken in der Mode und wir brennen dafür zu zeigen, wie man kreislauffähiger denken kann. Das ist der Grund, warum alle unsere Designs aus used Jeans entstehen.

3. Was war bisher euer schönstes Erfolgserlebnis und was eure größte Herausforderung?

Unsere indische Näherin hatte sich einen Tag besonders hübsch angezogen und Conny machte ihr ein Kompliment zu ihren Ohrringen. Daraufhin wollte sie ihr die Ohrringe schenken, weil sie so stolz ist, bei uns zu arbeiten. Sie wollte uns damit ihre Wertschätzung für ihre Chance bei Bridge&Tunnel ausdrücken. Dieser Moment ist uns sehr nah gegangen, weil er zeigt, was wirklich im Leben zählt: Ein wertschätzendes Miteinander unabhängig von Herkunft, Religion oder Schulabschlüssen.

Unsere größte Herausforderung liegt darin zu zeigen, dass fair fashion nicht zu teuer, sondern herkömmliche Mode viel zu günstig ist. Zwar tut sich einiges in der Wahrnehmung darüber, wie ein bewusster Konsum aussehen kann, viele wissen aber viel zu wenig darüber oder blenden aus, was der Preis für die günstige Mode ist, die wir tragen.

Diese Decke war mal eine alte Jeans. Foto: Kathrin Arfmann

4. Was ist bei euch so richtig schiefgelaufen und was habt ihr daraus gelernt?

Wir haben uns in den letzten vier Jahren sehr professionalisiert.  Auch dank der kleinen Fehler, aus denen wir lernen konnten. Ein großes Thema war zum Beispiel die Art und Weise, wie wir Mitarbeiter*innen rekrutieren. Am Anfang haben wir tolle Näher*innen direkt eingestellt. Mittlerweile absolvieren sie zuerst einen Probetag und ein Praktikum.

5. Wenn Bridge&Tunnel ein Krafttier hätte, wäre es ein/eine ….? Und warum?

Wir wären ein sehr gemütlicher, tiefenentspannter Koala. Den Großteil des Tages würden wir damit verbringen, uns möglichst langsam durch den Tag zu bewegen oder zu schlafen. Ganz im Sinne der slow fashion: Weniger Aufregung, weniger Tempo, mehr innehalten und wertschätzen, was wir haben.

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